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2019

Die Josefstädterin des Jahres

2019

Die Josefstädterin des Jahres

Die Gewinnerinnen 2019

Yudeisy Escobar

Kategorie "Erwerbstätige Frauen, Unternehmerinnen und Handwerkerinnen"

Yudeisy Escobar wurde in Pinar del Río, Kuba, geboren. Nach einer umfangreichen musikalischen Ausbildung widmet sie sich nun dem Lehren und Spielen von Musik und arbeitet als Kassiererin beim SPAR in der Josefstädter Straße 64.

Sie begann bereits als Kind an der Berufsfachschule für Kunst in Pinar del Río Klavier zu spielen. Am Amadeo Roldán Konservatorium absolvierte sie ihr Musikstudium im Fach Oboe wo sie anschließend auch als Instrumentalistin und Musiklehrerin tätig war. Yudeisy Escobar setzte ihr Studium an der Universität Havanna fort und spielte zeitgleich in der Jungen Sinfonie mit Orchestern aus Panama, Mexiko, Spanien, Kanada und Großbritannien, sowie an der Nationaloper in Kuba. Während ihrer Zeit in Havanna arbeitete sie auch weiterhin als Musiklehrerin für Oboe und Musiktheorie an der Alejandro García Caturla Musikschule.

Im Jahr 2002 ging Yudeisy Escobar nach Italien, spielte dort als Oboistin bei verschiedenen Konzerten und unterrichtete die Fächer Klavier und Oboe. Bei Aufenthalten in Barcelona und Modoñedo, Spanien,  in Markneukirchen, Deutschland, und in Tivat, Montenegro, vertiefte sie ihre musikalische Ausbildung durch einen Meisterkurs und eine Ausbildung für Musikalische Perfektion im Fach Oboe.

Auch als sie 2013 nach Wien zog, setzte Yudeisy Escobar ihre musikalische Laufbahn fort. Sie arbeitete an einer neuen Atemtechnik und war Mitglied der Jungen Philharmonie Wien, mit der sie unter anderem bei der Eröffnungsfeier des griechischen EU-Ratsvorsitzes im Rathaus Wien spielte. Seit 2018 ist sie Mitglied des Iberoamerikanischen Orchesters in Wien.

Nominiert wurde Yudeisy Escobar von Petra Bertleff, einer SPAR-Kundin, die Yudeisy Escobar so beschreibt: „Ich habe noch nie so einen freundlichen Menschen erlebt! Gerade im Verkauf hat man oft auch mit anstrengenden Kundinnen und Kunden zu tun, aber Yudeisy Escobar hat trotzdem immer ein Lächeln im Gesicht, das ist unglaublich beeindruckend!“ Von ihrer musikalischen Leidenschaft und der umfassenden Ausbildung wusste Petra Bertleff zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Alleine Yudeisy Escobars unerschütterliche Freundlichkeit an der SPAR-Kasse war Grund für die Nominierung, weshalb sie auch in der Kategorie „Erwerbstätige Frauen“ nominiert ist.

Yudeisy Escobar selbst sagt, dass sie gerne in der Josefstadt arbeitet. Durch diesen Job hat sie fantastische Menschen getroffen und er hat ihr geholfen, ihr Deutsch zu verbessern und sich „mit viel Liebe“ in Österreich zu integrieren.


 

Jasmina Jakšić

Kategorie "Wissenschaft und Bildung"

Jasmina Jakšić radelt jeden Tag von Ottakring in die Josefstadt zu „ihren“ Kindern. Ihre Wurzeln liegen im Süden und diese sind nicht nur im Kindergarten immer wieder spürbar. So kann man beispielsweise jedes Jahr am Josefstädterstraßenfest ihr wunderbares Ajvar nach Originalrezept aus ihrer Heimat erstehen.

Als Assistentin im Kindergarten Mary Poppins beim Hamerlingpark hat Frau Jakšić beinahe eine ganze Generation von Menschen in einer ihrer wichtigsten Lebensphasen begleitet. Seit 18 Jahren ist sie nun schon für Kinder und Eltern da und begleitet sie mit ihrer einfühlsamen Art beim Übertritt von der Kleinkindgruppe zu den Großen. Gehen die Volksschulkinder weiter in den Mary Poppins-Hort, ist Frau Jakšić da, um ihnen Beständigkeit und Geborgenheit zu geben. Auch für die Eltern hat sie stets ein offenes Ohr und nimmt sich Zeit für ein persönliches Gespräch.

Frau Jakšić liegt es am Herzen, durch Aufmerksamkeit und Einfühlsamkeit den kleinsten Josefstädterinnen und Josefstädtern die so wichtigen, einfachen kleinen Dinge im Leben zu vermitteln. Für Frau Jakšić spielen Herkunft und Sprache der Kleinen keine Rolle, spricht sie doch mit jedem Kind ihre ganz eigene Sprache und baut so eine ganz besondere Beziehung auch zu ihnen auf. Wichtig für sie ist, dass die Kinder immer wieder etwas Neues erleben. Ob es darum geht, ihnen die Natur näher zu bringen, mit ihnen an heißen Tagen ein Freibad zu besuchen oder im Winter auf dem Schlitten die Wiener Hausberge hinunterzufahren, ist Frau Jakšić bei ganz vielen Erlebnissen dabei, die die Kinder ihr Leben lang in Erinnerung behalten, und hat so einen bedeutenden Platz in den Herzen vieler Josefstädter Familien eingenommen.


 

Michaela Meissl

Kategorie "Kunst und Kultur"

Die Keramikkünstlerin Michaela Meissl, eine gebürtige Tirolerin, übersiedelt 1981 nach einem Jahr Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Innsbruck und nach einem zweijährigen Aufenthalt in Paris gemeinsam mit ihrem Mann Walter Meissl nach Wien, wo sie ihr Studium fortsetzte. Parallel zum Studium entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Material Ton. Nach der Geburt ihrer Tochter bricht sie das Studium ab und gründet 1985 zusammen mit Ihrem Mann dem Bildhauer und Philosophen Walter Meissl ein Keramik- und Bildhauer Atelier in einem idyllisch gelegenen Hinterhof auf der Lerchenfelderstrasse im 8. Bezirk. Hier entsteht im Laufe der Jahre ein Treffpunkt für Kunst- und Keramikliebhaber, die nicht nur die hier gezeigten und entstehenden Arbeiten schätzen, sondern ebenso das Ambiente einer lebendigen Künstlergemeinschaft.

Durch ihre Begeisterung für die Studiokeramik entdeckt Michaela Meissl bald die japanische Keramik, mit ihrer reichen ästhetischen Tradition, die bis heute ein bestimmender Faktor in ihrer Arbeit mit Ton geblieben ist. 1998 beginnt sie ein Japanologie Studium an der Universität Wien, das sie mit einem Bachelor 2004 abschließt. 2002 erhält sie eine Einladung für einen zweimonatigen Studienaufenthalt als „artist in residence“ im Keramikzentrum von Shigaraki in Japan. Hier erhält sie wesentliche Impulse für ihre Tee- und Gefäßkeramik.

In ihrer künstlerischen Arbeit wird sie durch zahlreiche Ausstellungen und Beteiligungen an internationalen Keramikwettbewerben bestärkt. Ihre Begeisterung für das Material Ton und ihre Fertigkeit im Umgang mit dem Werkstoff gibt sie bei regelmäßigen Workshops im eigenen Atelier, an verschiedenen Schulen und der “Humanisierten Arbeitsstätte Projekt Unik.at“ im 8. Bezirk an andere weiter.

Michaela Meissl arbeitet vorzugsweise mit Porzellan und Steinzeug. Aus der Gegensätzlichkeit dieser beiden Materialien entstehen spannungsreiche Gegenüberstellungen von Grobem und Feinem, die sich zu einer harmonischen Eleganz der Formen verbinden. Begreift man Schönheit als jene Form mit der größten Wirkung, dann hat man damit den Anspruch, den Michaela Meissl an ihre eigene Arbeit stellt, beschrieben. Eine weitere Werkserie sei hier noch erwähnt: die Sushicollection. Es sind kleine Porzellanminiaturen, die assoziativ das Thema Sushi aufgreifen und dabei eine bunte Fauna an zartem Meeresgetier erschaffen.

Besucht man Michaela Meissl in ihrem Atelier, so stellt dies eine im 8. Wienerbezirk gar nicht so seltene, sondern durchaus typische Überraschung dar. Von außen unscheinbar und versteckt betritt man durch ein grüne und blühende Hinterhofoase, die von Michaela Meissl und ihrem Mann liebevoll gepflegt wird, eine Welt der Kunst und des guten Geschmackes.


 

Frauengruppe Maria Treu

Kategorie "Soziales Engagement"

Dass heute viele Menschen – alt und auch jung – an Einsamkeit leiden und sich verlassen fühlen, ist ja bekannt. Es mangelt an positiven zwischenmenschlichen Kontakten. Die Ursachen liegen nicht nur in den schwierigen Lebensumständen – wir pflegen zu wenig unsere gegenseitige Annahme, Mitgefühl, einfach: Liebe! Darum ist es nicht selbstverständlich, wenn zahlreiche Frauen im 8. Bezirk seit 50 Jahren zusammenfinden. Nicht nur, um einander zu helfen, sondern auch gemeinsam andere zu unterstützen, um Gefühle und Sorgen auszutauschen, auch Feste zu feiern! Um einfach Freud und Leid miteinander zu teilen und Hilfe, Empathie und Lebensfreude auch an andere weiterzuschenken, ausgehen von der Piaristenpfarre auch in der Bezirksgemeinde. So wird das Klima im Bezirk ein wenig heller!


 

Mag.a Evelyn Probst

Kategorie "Demokratie und Frauenrechte"

Die LEFÖ – Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels hat als Aufgabe Frauen und Mädchen in ein würdevolles Leben zu begleiten. Seit 2014 hat die Interventionsstelle ihr Büro im 8. Bezirk und bietet Frauen und Mädchen verschiedene psychosoziale und rechtliche Beratungen an.

Mag.a Evelyn Probst, Psychologin und Gruppentrainerin, ist Leiterin der LEFÖ-Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels. In ihrer Funktion koordiniert sie alle Tätigkeiten der Interventionsstelle. Immer im Blick: antirassistisches und feministisches Handeln. Betroffene des Frauenhandels erhalten in der LEFÖ-IBF ein holistisches Beratungsangebot und können sicher in eine der Schutzwohnungen untergebracht werden. Dabei stehen im Zentrum aller Aktivitäten der LEFÖ-IBF die Rechte und Bedürfnisse der Frauen und Mädchen, die unterstützt werden. Ihr Beruf ist, wie Probst sagt, ein Akt des politischen Engagements. Schon während ihres Studiums hat sich Evelyn Probst politisch engagiert. Dabei waren ihr bereits damals Themen wie Frauenrechte, Gewalt an Frauen und Rechte von Migrant*innen wichtig.

Und auch heute setzt sie sich für die Rechte von Migrant*innen ein. Alle Interventionen der LEFÖ-IBF sieht sie als Prävention vor weiteren Menschenrechtsverletzungen. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung im Bereich Menschenhandel und Opferschutz ist Probst auf nationaler und internationaler Ebene als Vortragende bei Konferenzen, Seminaren und Schulungen aktiv.

Als „zugezogene Wienerin“ versteht sich Probst, lebt sie doch bereits länger hier, als in sonst einer anderen Stadt. Das Büro in der Lederergasse ist nicht nur ein schöner Ort durch die Einbettung im 8. Bezirk, sondern auch wichtig durch die zentrale Anbindung. Das macht es sowohl für die Klient*innen als auch für die Mitarbeiter*innen einfach. Und so hofft Evelyn Probst, dass es auch lange bleiben wird. Einfaches Hinkommen zu dem Büro, für ein einfaches Ankommen bei LEFÖ-IBF.

Mehr Infos zu LEFÖ-IBF gibt es auf www.lefoe.at und https://www.facebook.com/lefoe1985/


 

Barbara Neuwirth

Ehrenjosefstädterin 2019

Wie fast alle JosefstädterInnen hat Barbara Neuwirth hier ihr Zuhause und ihre Heimat gefunden. Als Kind lebte sie mit den Eltern und ihrer Schwester in der Lammgasse, die Lange Gasse bot ihr erst Volksschule, dann ein wunderbares Mädchengymnasium, das leider, als sie in die 5. Klasse kam, komplett auf die Schmelz übersiedelte. Damals lernte sie die Unterschiedlichkeit der Bezirke kennen.

Als junge Schriftstellerin, die sich feministisch-politisch auch verlegerisch engagierte, kehrte sie wieder in die Lange Gasse zurück. 12 Jahre lang war sie – als „zweite Generation“ der Verlegerinnen in den 1980er und 1990er-Jahren – im Wiener Frauenverlag tätig, wo sie neben der (Co-)Verlagsleitung die Herausgabe der feministischen Reihe Frauenforschung innehatte. Die Namensänderung in Milena Verlag hat sie noch mitbetreut, sich gleichzeitig beruflich verändert.

Nach kurzen Wohn-Intermezzi in Margareten und Neubau kehrte sie vor 33 Jahren in die Josefstadt zurück. Seither lebt sie wieder da. Als Schriftstellerin und als Bürgerin ist sie hier vielfältig vernetzt, Lektoratsarbeiten wie z.B. für „Reisen zu den verlorenen Nachbarn“ von Lorenz Glatz, der ihr Josefstädter Nachbar ist, zählen dazu. Im Zusammenhang mit 100 Jahre Frauenwahlrecht hat sie u.a. auch mit den in der Josefstadt auf Bezirksebene politisch aktiven Frauen eine Veranstaltung betreut. Sie schätzt die liberale und kreative Stimmung im Bezirk und es ist ihr selbstverständlich, dafür auch tätig zu sein. Obwohl sie gerne auch mit Männern zusammenarbeitet und das Miteinander in der Vielfalt der Gesellschaft für sie schön und unverzichtbar ist, ist ihr die spezielle Arbeit an und in Frauenprojekten immer wichtig gewesen und ein oft beglückender Teil ihres Lebens.


 

Elisabeth Bichler

Publikumspreis 2019

Elisabeth Bichler steht seit 37 Jahren unermüdlich im Dienste ihrer PatientInnen und tut alles erdenklich Mögliche für deren Wohlergehen. Sie hat, gemeinsam mit ihrem Mann, Franz Bichler, die Ordination für Allgemeinmedizin in der Albertgasse aufgebaut (Eröffnung im Jahr 1982) und wurde im Laufe der Zeit die Seele dieser Ordination. Auch nachdem ihr Mann diese an Dr. Rudolf Holoubek übergeben hat, ist sie ihren PatientInnen treu geblieben. Ihr Einsatz für die Menschen in der Josefstadt geht weit über das Übliche hinaus. Menschen wie Elisabeth sind gerade für einen kleinen Bezirk wie die Josefstadt besonders wichtig um in ihrem Umfeld gegen Vereinsamung und Anonymisierung zu wirken.

Es ist jedoch nicht die Tätigkeit als Ordinationsassistentin alleine die Elisabeth Bichler auszeichnet. Sie hat auf wunderbare Art und Weise Beruf und Familie vereint. Sie ist Frau, Mutter, Großmutter, Freundin, Schwester und alles immer mit einem Lächeln im Gesicht. Herausforderungen des Lebens nimmt sie wie selbstverständlich an und bewältigt sie. Sie lebt seit 1979 in der Josefstadt, hat hier auch geheiratet und ihre beiden Söhne Peter (1980) und Franz-Xaver (1982) auf die Welt gebracht. Mittlerweile ist sie leidenschaftliche Großmutter von zwei entzückenden Enkelkindern, Sophie und Valentin. Ein Leben das gesehen werden sollte und damit als Vorbild für Jung und Alt dient!